Drei Lebensabschnitte an einem Tag Blog#28

Auf wel­chem Lebensabschnitt bin ich jetzt  eigent­lich unter­wegs?“ Diese Frage habe ich mir doch eini­ge Male gestellt, als ich den Lebensweg in sei­ner Gesamtheit gegan­gen bin.

Ich will euch kurz von mei­nem ers­ten Tag am Lebensweg von mei­ner 10-täti­gen  Wanderung berich­ten – drei Lebensabschnitte bin ich teil­wei­se gegan­gen.
Tod und danach – Grenzüberschreitung/ der zwei­te Übergang. Mit gro­ßem Respekt bin ich beim Holzturm in Losau gestar­tet. Die ers­ten Schritte waren im Bewusstsein die­ses Abschnitts fast unsi­cher. Mir sind Menschen ein­ge­fal­len, von denen ich mich in den letz­ten Jahren end­gül­tig ver­ab­schie­det habe. Freunde, Verwandte, Bekannte,… Menschen, die mir ganz ein­fach feh­len.
Oder beglei­ten sie mich  auf mei­nem Lebensweg wei­ter, wenn ich mich mit ihnen wei­ter „unter­hal­te“? Die ers­ten Kilometer waren von die­sen Gedanken geprägt.
Mein eige­ner Tod – das ist dann doch etwas zu abs­trakt . Der Text von Arnold Mettnitzer  „…UND DANN DER TOD hat etwas sehr Versöhnliches und Beruhigendes.
„10. April 2019  – Schritt um Schritt dem Tod ent­ge­gen,…“  dies habe ich als ers­te Eintragung in mein TourenTAGEbuch geschrie­ben… –  da wird ja wirk­lich auf ein­mal sehr viel enorm unwich­tig: Die Sorgen, die Ängste und Nöte.… letzt­end­lich geht es dar­um, ein erfüll­tes Leben zu füh­ren.

Und zum erfüll­ten Leben gehö­ren Gespräche! Am bes­ten, dies gleich beim Wandern umset­zen, sei es mit dem Mann, der vor dem Haus gar­telt, mit den Gastgebern, Bürgermeistern,  Nahversorgern,… die eige­nen Gedanken wer­den berei­chert und man taucht in die ande­ren Lebensgeschichten ein und ver­bin­det dies mit sei­nem wei­te­ren Weg.
In Maria Taferl in der Kirche bin ich dann noch ein­mal sehr bewusst kurz in das eige­ne „Gehen“ ein­ge­taucht. Wohl wis­send, dass ich in 10 Tagen hier wie­der zurück­kom­men will. Möchte hier in der Kirche mei­ne Wanderung beschlie­ßen.  Nochmals hier­her zu kom­men, die­ser Vorsatz hat das Weggehen von Maria Taferl recht leicht gemacht.

Jetzt am Lebensabschnitt: Ursprung – Großeltern und Ahnen – Gedanklich ein­zu­tau­chen in die Zeit vor mei­ner Zeit – ich den­ke, alle mei­ne vier Großeltern waren ganz sicher irgend­wann in ihrem Leben in Maria Taferl. Wie wird es da gewe­sen sein? Höchstwahrscheinlich sind sie bei Wallfahrten hier­her­ge­kom­men. Haben sicher viel gebe­tet.  Soll ich auch beten? Warum eigent­lich nicht?

Ein inter­es­san­ter Gedanke ist auch, mir mei­ne Großeltern in mei­nem jet­zi­gen Alter vor­zu­stel­len. Meine Opas sind ja lei­der nicht so alt gewor­den, wie ich jetzt bin. Aber in mei­ner Vorstellung kön­nen sie das sein und ich kann mit allen mei­nen vier Großeltern gemein­sam ein Lied sin­gen. Lustig, sie kön­nen rich­tig lus­tig sein. Verstehen sich gut mit­ein­an­der… schon inter­es­sant, was allein durch die Kraft der  Vorstellung mög­lich ist. Möchte ganz ein­fach, dass sie, mei­ne Ahnen, rich­tig glück­li­che Momente in ihrem Leben hat­ten. Das dies nicht immer so war, ist mir natür­lich sehr klar.
WEITERGEHEN“, der berüh­ren­de Text von Adele Neuhauser über ihre im Waldviertel leben­den Großeltern im TourenTAGEbuch holt mich von mei­nen Tagträumen zurück.

Bei mei­nem Weitergehen kom­men mir sel­ber gera­de Zweifel, ob mei­ne Tagesplanung gut ein­zu­hal­ten ist. Jetzt nach Münichreith fängt es auch noch zum Nieseln an. Es ist schon nach 15 Uhr und ich will ja auch noch auf den Peilstein hin­auf.
Habe unter­wegs rela­tiv lan­ge Pausen gemacht.

Bin dann so um 17.20 Uhr in Laimbach ange­kom­men und habe mich im Kaufhaus Mühlbacher mit Abendessen, Frühstück, Wasser,… ver­sorgt. Zusätzlich habe ich  noch ein Gespräch geführt, wel­ches mich sehr bewegt hat.
So, jetzt hat­te ich schon rund 24 km in den Beinen und soll­te noch auf den Peilstein ins Schutzhaus.  Zum Glück hat­te Sabine Schreiners Gasthaus Ruhetag, so kam ich gar nicht in die Versuchung, jetzt noch bei ihr ein­zu­keh­ren.

Liebe der Eltern – Zeugung war ange­sagt. Bei strö­men­dem Regen. Momentan konn­te ich mir gar nichts mehr vor­stel­len. Abgesehen davon, hat­te das auch mor­gen noch Zeit, mich damit zu beschäf­ti­gen.

Schon beim Weggehen von Laimbach habe ich bemerkt, dass die Füße ganz schön schwer waren. Naja, jetzt habe ich ja zum nor­ma­len Gewicht, die Verpflegung und  drei Liter Wasser zu tra­gen. Wie konn­te ich mei­nen Reisegepäck leich­ter machen und sel­ber Energie tan­ken? Eine Tafel Schokolade raus aus dem Rucksack und das Verschlingen die­ser gab mir einen kur­zen Kick.

Die Zweifel von vor­hin waren berech­tigt: 500 Höhenmeter hat­te ich jetzt noch vor mir… der hei­li­ge Berg, der Peilstein hat sich als Riesenhürde vor mir auf­ge­baut. Schritt um Schritt. In wei­te­rer Folge zäh­le ich die­se mei­ne Schritte. Nach 200 Schritten darf ich eine kur­ze Pause machen. Freue mich, wenn ich 300 schaf­fe. Über Grenzen gehen. Soll dies schon am ers­ten Tag Thema sein?

Hole mir mei­ne Ahnen mit mei­nen Eltern gedank­lich her und so schaf­fe ich es doch, nach ein­drei­vier­tel Stunden end­lich bei der Schutzhütte anzu­kom­men! Im Schutzraum den Rucksack abstel­len, gleich ein­hei­zen und dann noch ganz kurz zum Gipfelkreuz des Kleinen Peilsteins hin­auf.
Dankbar die nas­sen Sachen über dem Ofen auf­hän­gen, Wasser für einen Tee zustel­len. Die Jause aus­pa­cken. Der ers­te Tag war geschafft! Ich bin letzt­end­lich gut an mein Tagesziel ange­kom­men. War sehr froh, hier her­oben zu sein. Denn mor­gen hat­te ich ja, vor neben der Verliebtheit der Eltern, auch noch ein Stück der Schwangerschaft zu bewan­dern. Bis min­des­tens St. Oswald woll­te ich es schaf­fen.

Wie es wei­ter­ge­gan­gen ist?
Ihr wisst ja, dass ich es geschafft habe.  In die ein­zel­nen Lebensabschnitte ein­zu­tau­chen, ist eine ganz beson­de­re Erfahrung. Wenn es kör­per­lich und geis­tig zu anstren­gend wur­de, wuss­te ich halt manch­mal nicht, auf wel­chem ich gera­de unter­wegs war. Abgelenkt haben mich auch die vie­len Gespräche, wel­che ich mit Begeisterung geführt habe. Daher hat­te ich auch wirk­lich oft am Abend zu tun, mein Tagesziel zu errei­chen: Da hat­te ich Angst vorm Bergaufgehen, bergab…wollte ich schon gar nicht und in der Ebene.… ihr könnt es euch den­ken.

Aber ihr habt die Wahl, ob ihr den Lebensweg in 15 oder 20 Tagen gehen wollt. Über ein paar Jahre ver­teilt. Beste Vorbereitung braucht ihr in jedem Fall.

Dies weiß jetzt noch mehr
Euer Dieter

 

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