Ende Zwanzig mit seiner Hündin alleine am Lebensweg unterwegs? ‚Yes, I did it – und warum dies die beste Entscheidung meines Lebens war“
Mit meinen 28 Jahren machte ich mich mit Sack und Pack, meiner Hündin Aura, meinem Zelt im Gepäck auf den Lebensweg im südlichen Waldviertel auf. Ich nehme dich dabei mit – in diesem Blog erfährst du meine Gedanken, Erlebnisse und Tipps über diese besonders magische Zeit. Auf Instagram findest du mich unter „evAura__“, wo du meine Erfahrungen als Weitwanderin am Lebensweg hautnah erleben kannst.
„Ich erinnere mich nur zu gut daran, als ich am Beginn meiner Lebensweg-Weitwanderung durchs südliche Waldviertel auf der Wiese von einem Bauernhof übernachtete. Die ersten Lichtstrahlen eines wunderschönen Sonnenaufgangs und das Vogelgezwitscher weckten mich an diesem Morgen. Ein unvergesslicher Moment, der mich heute noch fesselt. Und diese lieben Menschen, die einst fremd waren und die sich plötzlich wie Familie anfühlten, als ich mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen zum Frühstück auf deren Veranda sitzen durfte. Und zu guter Letzt die Outdoor-Dusche mit Weitsicht über die Hügel des südlichen Waldviertels neben einer Schar von Babykatzen und grasenden Kühen.“
Was mich dazu bewegte, den Lebensweg mit meiner Hündin zu wandern?
„Du bist ja verrückt!“ „Warum machst du das?“ „Was, ganz allein?“
Diese Aussagen bekam ich zu hören, als ich meine Pläne teilte, den knapp 300 Kilometer weiten Lebensweg mit meiner Hündin Aura zusammen zu bewältigen.
Für mich war klar, es wird eine Herausforderung jeglicher Art, aber die Vorfreude war riesig. Vor allem auch, weil meine Hündin Auri sehr klein ist und ich sie immer wieder tragen muss.
Aber was bewegte mich nun dazu, den Lebensweg zu gehen? – Einerseits die körperliche Herausforderung und Kondition, die dafür notwendig ist.
„Ich wollte einfach gehen und an nichts denken, nur Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer, Etappe für Etappe bewältigen.“ – an meine Grenzen kommen und irgendwann mein Ziel erreichen, ja, das wollte ich.
Andererseits wollte ich auf mich selbst gestellt sein und meine eigenen Entscheidungen treffen müssen, ohne Hilfe von außen. Fragen wie: „Wieweit kann ich es heute schaffen, wo werde ich schlafen, was werde ich wann und wo essen bzw. wo ist die nächste Einkehrstelle, wann wird es zu gefährlich, um weiterzugehen, wann sollte ich lieber pausieren?“ – beschäftigten mich täglich. Ich musste selbst entscheiden und war daher gezwungen, mich um mich selbst (und meine Hündin) zu kümmern und verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen.
Von der Zeugung und der Geburt bis hin zum Tod und das Leben danach. – Die 13 Lebensetappen des Lebensweges waren sehr spannend mit meinem bisher eigenen Leben zu vergleichen. Interessant war zum Beispiel, dass ich während der Durchwanderung von Etappe 7, der „30-40 Jahre – sesshaft werden“ – Etappe, so einige Steine sich mir in den Weg legten und ich kurz vorm Aufgeben war. Interessant deshalb, weil ich mir auch privat diese Frage immer wieder stelle. Aber auch diese Hürde habe ich bewältigt.
Und wisst ihr was? Genau das brauchte ich zu diesem Zeitpunkt, einfach stark bleiben und nicht aufgeben. Einfach weitermachen.
- Was machte der Lebensweg mit mir?
Der Lebensweg zwang mich buchstäblich dazu, mich mit mir und meinem Leben auseinanderzusetzen und die ein oder andere wichtige Erkenntnis zu erlangen. Umso angenehmer, dass ich immer wieder ebenso wandelnde Menschen auf meinem Weg begegnete, mit denen ich sehr besondere Gespräche führte und wir uns übers Leben austauschten. Dies fühlte sich für mich alles sehr magisch an und jede Begegnung hatte seinen Grund. Oft begleitete man sich gegenseitig für ein paar Schritte oder sogar Kilometer – aber alle mit dem gleichen Ziel – (vor)ankommen. Wo auch immer der eigene Weg hinführte. Denn jeder hatte seine eigene Geschichte zu erzählen.
Zusammenfassend kann ich also sagen, dass ich mit mir selbst wieder mehr ins Reine kam und ich mich ab den zweiten Tag so sehr geerdet fühlte, dass es mir selbst jetzt noch wohlig warm ums Herz wird, wenn ich daran zurückdenke.
Plötzlich war alles so leicht – GEHEN, EINFACH WEITERGEHEN & (VOR)ANKOMMEN.
- Warum das Weitwandern für mich eine Art der Therapie ist?
Nicht selten hört man, dass Weitwandern sogar eine Form von Therapie ist, sogar Stress mindern oder einem Burnout vorbeugen kann. Nach 17 Tagen Weitwandern bin ich der festen Überzeugung, dass die Seele in der herrlichen frischen Luft und der überwältigenden Natur des Waldviertels Heilung bewirken kann, wenn man dafür offen ist.
- Warum mit Zelt im Gepäck?
„Ich will einfach flexibel sein und mich nicht nach den Unterkünften richten müssen, solange rasten können, wie ich will, am Campingplatz am Feuer sitzen und das Gefühl von Natur in mir komplett spüren können.“
Und was soll ich sagen, ich fühlte mich geerdeter denn je zuvor. Ab und zu gönnte ich mir eine Unterkunft entlang des Weges, auch um eine ordentliche Dusche genießen zu können. Aber meistens war die Ysper oder die Krems mein tägliches Bad. Ein Gefühl von Freiheit, einfach hineinzuspringen.
Aber der eigentliche Grund, den Lebensweg mit meinem Zelt zu bewandern, war ja eigentlich ein ganz anderer. Wegen meiner liebsten Wanderbegleitung, meiner Hündin Auri. Nicht überall ist es erlaubt, seinen Hund mit in die Unterkunft zu bringen. Also auch ein Segen, denn nur so machte ich diese besondere Erfahrung.
Ich möchte jedoch dringend hinweisen, dass Wildcampen strengstens verboten ist. Wenn ich nicht auf einem Campingpatz nächtigte, habe ich immer die Grundbesitzer um Erlaubnis gefragt, manchmal waren dies sogar Gasthöfe, die mir erlaubten, bei Ihnen zu campieren. Wundervoll. Die Waldviertler sind einfach so hilfsbereite Menschen. Naja gut, ich bin ja selbst eine „Dasige“, daher muss ich das ja fast sagen.
- Herausforderungen auf dem Lebensweg
Natürlich war nicht immer alles so leicht, wie es sich hier vielleicht liest. Einige Herausforderungen und Hürden stellten sich mir in den Weg, aber es geht wie immer darum, wie man damit umzugehen lernt.
Da ich Zelt, ISO-Mate, Schlafsack, Kaffeekocher und Essen sowie Hundefutter immer dabei hatte, war mein Rucksack natürlich dementsprechend schwer. Stolze 15,5 Kilo hatte er vollbepackt, inklusive 3-4 Liter Trinkwasser. (Dies füllte ich übrigens immer irgendwo bei netten Menschen oder in den Gasthöfen auf). Da meine kleine Hundedame mit ihren gerade mal 5,5 Kilos keine 20 Kilometer am Tag gehen konnte (bzw. ich ihr das einfach nicht zumuten wollte), packte ich sie dementsprechend oft in den Rucksack und meine Schultern trugen sie mit einer Selbstverständlichkeit, die jeder Hundebesitzer sicherlich nachvollziehen kann. Ich hatte daher 70% des Tages insgesamt 21 Kilo zu tragen. Dies war schon herausfordernd für Rücken, Schultern und Waden.
„Nur weil ich ein klein bisschen verrückt bin und diese Weitwanderung unbedingt machen will, muss ja nicht mein Hund darunter leiden.“
Auri ist an ihren Platz im Wanderrucksack sowieso schon gewöhnt, da ich wirklich sehr viel und gerne (vor allem im Waldviertel) wandern gehe. Mehr dazu findet ihr auch auf meinem Instagram Account, „evAura__“.
Gegen Ende meiner Weitwanderung entschloss sich der Monat Juli zusätzlich dazu Novembertemperaturen an den Tag zu legen, was das Zelten sowie Wandern teilweise sehr ungemütlich machte. Kleine Hürden wie weggeschwommene Brücken oder Gestrüpp bis Kopfhöhe, erschwerten meine Wanderung zwischendurch mal, aber dies war Gott sei Dank nur die Ausnahme. Und diese weggeschwommene Brücke war eigentlich im Nachhinein gesehen wieder ein Segen, denn das Kneippen durch den Fluss war sehr angenehm und hatte ich zu dem Zeitpunkt bitter nötig.
Übrigens möchte ich an dieser Stelle gerne ein Riesen Lob aussprechen: „Selten habe ich eine Wanderung mit so einer guten Beschriftung anhand der Wandertafeln erlebt.“
- Tipps rund um den Lebensweg und wie er mit Hund besonders gut machbar ist
Mein allerwichtigster Tipp an dieser Stelle ist definitiv, dass du dir die Zeit für den Lebensweg nimmst, die du brauchst. Du musst nicht alle Etappen auf einmal absolvieren, du kannst auch nur Teilstrecken machen. Ich habe auf meiner Wanderung jemanden kennengelernt, der jedes Jahr exakt 1 Etappe geht, auch dies ist möglich. Die Zeit am Lebensweg ist definitiv zu kostbar, um einfach mal schnell durchzulaufen. Nimm dir also die Zeit, die du brauchst, lege eine Rast ein, sooft und solange du willst. Es geht hier um so viel mehr als um die Zeit, die du dafür brauchst, sondern mehr um „was es mit dir gemacht hat.“ Aber Achtung: Du wirst dich danach ganz bestimmt freier fühlen als zuvor.
Lass es wirken. Lass es geschehen. Veränderung tut uns allen mal gut.
Du planst deine Weitwanderung mit deinem Vierbeiner gemeinsam? Gratulation schon mal dafür, dass du einer dieser glücklichen Menschen bist, der sein Flauschkind auf diese Reise mitbringen möchte. Einen Hund beim Wandern an seiner Seite zu haben, ist etwas ganz Besonderes. Er wird dich nicht verurteilen, wenn du eine Pause einlegst oder an dir zweifelst. Er ist einfach dein treuer Begleiter. Immer und überall und er wird dir überall hin folgen.
Wenn du so wie ich, mit Rucksack unterwegs bist, kann es zusätzliches Gewicht bedeuten, wenn du auch noch Wasser, Futter und Snacks für deinen Vierbeiner dabeihast. Wie wäre es daher damit, ein paar Verpflegungspakete im Vorhinein zu packen, die du dann an gewissen Teilabschnitten des Lebensweges deponierst? Bei Bekannten, Freunden oder einfach in einem Gasthof. Da ich in der Nähe meinen Wohnsitz habe, bin ich zwischendurch einfach nachhause gefahren, um den Proviant aufzustocken oder mal Wäsche zu waschen/wechseln.
- Meine Packliste für meine 17tägige Lebensweg-Weitwanderung mit Hund und Zelt
1 lange Hose, 1 kurze Hose, 3 Sport-Shirts, 1 Sportweste, 1 Regenjacke, 1 dicken Fleece Pullover für kalte Nächte, 1 weites T-Shirt, 4 Unterhosen, 2 Sport-BHs, 4 Paar Sportsocken, 1 Paar Kuschelsocken, 1 Duschhandtuch, 1 kleines Handtuch, gut eingelaufene Wanderschuhe, Badeschlapfen, 1 Bikini, Zahnbürste + Zahnpasta, Kontaktlinsenflüssigkeit, Reise-DEO, Bürste, Shampoo klein abgepackt, Taschentücher, Klopapier, Blasenpflaster, Magnesium, Medikamente, Pinzette, Mückenspray, Sonnencreme, etwas Waschpulver, Ultraleichtes stabiles Zelt, ISO Mate, Schlafsack, kleine Lichterkette für cozy Nächte, Stirnlampe, Powerbank, Ladekabel, dünne lange Schnur (bei mir wurde sie als Wäscheleine und erweiterbare Leine für Auri verwendet), ESBIT Kocher, ESBIT Anzünder, 1-2 Feuerzeug, 1 Plastik-Häferl, 1 Löffel, 1 Gabel, 1 scharfes Messer, Instant-Kaffeepulver, Müsliriegel, Traubenzucker, ASIA Nudeln (schnelle warme Mahlzeit), 2-3 isolierte Wasserflaschen, Wanderstöcke, Kappe, Stirnband, Regenschutz, Pfefferspray, Klappmesser.
Für den Vierbeiner: Kot-Beutel, Snacks, Futter, Notfall-Medikamente, Geschirr, Leine
Und das Allerwichtigste: Wanderbroschüre sowie Wanderkarte vom Lebensweg
- Fazit
Wenn du keine Veränderung von Körper, Geist und Seele willst, dann gehe den Lebensweg am besten nicht. Denn genau dies wird passieren.
Gönne dir diese Auszeit, du wirst es dir selbst danken.
Atme durch und lies diesen Satz nochmal.
„Wenn du dich nach Klarheit, Erdung und einem echten Reset sehnst – dann ist jetzt vielleicht deine Zeit, den Lebensweg zu gehen.“






